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Shared Value Creation: Gemeinsame Wertschöpfung schaffen
21. Mai 2026
Yuee Zhao
Wissenschaftliche Forschung zeigt, dass Unternehmen Nachhaltigkeit nicht nur als Quelle höherer Compliance-Kosten sehen sollten, sondern als geschäftliche Chance. Wirksame Nachhaltigkeit erfordert zudem gemeinsame Anstrengungen. Umfassende vorgelagerte Integrity-Due-Diligence-Prüfungen helfen Unternehmen, vertrauenswürdige Partner zu identifizieren, mit denen gemeinsame Wertschöpfung möglich ist: wirtschaftliches Wachstum im Einklang mit sozialen Standards und Umweltschutz.
Ein neuer Blick auf Wirtschaft
Die 2015 verabschiedete Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung legte 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) fest. Sie sollen eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft ermöglichen, in der „menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ mit „weniger Ungleichheiten“, „kein Hunger“, „keine Armut“, „Maßnahmen zum Klimaschutz“ sowie „bezahlbarer und sauberer Energie“ zusammengedacht werden.
Je näher das Jahr 2030 rückt, desto deutlicher zeigt sich jedoch, dass viele dieser Ziele schwer erreichbar bleiben.
Obwohl die SDGs universell angelegt sind, haben ihre Umsetzung und die damit verbundenen politischen Debatten häufig Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern offengelegt. Die anhaltenden Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben nicht nur Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten vertrieben, sondern auch Energiepreise und Inflation weltweit steigen lassen. Höhere Lebenshaltungskosten belasten Haushalte auch in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten. Angesichts stagnierenden Wachstums, wachsender gesellschaftlicher Polarisierung und immer deutlicherer Klimarisiken stellt sich dringlicher denn je die Frage, wie nachhaltigeres und inklusiveres Wirtschaftswachstum gelingen kann.
Das Donut-Modell
[1]
Das Donut-Modell bietet einen alternativen Denkrahmen für Unternehmen, Volkswirtschaften und das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Umwelt.
Das Modell wurde 2012 von der Oxford-Ökonomin Kate Raworth vorgestellt und 2017 in ihrem Buch Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st-Century Economist ausführlich beschrieben.
Es veranschaulicht, wie Unternehmen innerhalb des „sicheren und gerechten Raumes für die Menschheit“ handeln können, der zwischen sozialen und planetaren Grenzen liegt. Die Dimensionen des sozialen Fundaments orientieren sich weitgehend an den SDGs und umfassen Bereiche wie Gleichheit, Bildung, Gesundheit, Frieden und politische Teilhabe. Zugleich integriert das Modell den Rahmen der planetaren Grenzen, den der schwedische Wissenschaftler Johan Rockström 2009 entwickelt hat.[2]
Wenn wirtschaftliche Entscheidungen nicht nur an finanziellen Renditen, sondern auch an sozialen und ökologischen Ergebnissen gemessen werden, kann wirtschaftliche Entwicklung regenerativer, fairer und kooperativer werden. Amsterdam bezieht das Donut-Modell seit 2019 in seine politische Planung ein. Die jüngsten Beschränkungen der Stadt für Werbung für Fleisch- und fossile Brennstoffprodukte im öffentlichen Raum zeigen, wie dieser Ansatz konkrete Politik beeinflussen kann.
Gemeinsame Wertschöpfung durch Zusammenarbeit
ESG-Berichtspflichten richten sich zwar vor allem an größere Unternehmen, doch Nachhaltigkeitserwartungen betreffen zunehmend Unternehmen jeder Größe. Kleinere Firmen stehen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen häufig vor größeren Ressourcenbeschränkungen.
Viele kleine und mittlere Unternehmen befürchten, dass Nachhaltigkeit höhere Kosten und geringere Profitabilität bedeutet. Diese Sorge ist nachvollziehbar. Ein traditioneller Druckereibetrieb, der Nachhaltigkeit in sein Geschäftsmodell integrieren möchte, muss etwa in sauberere Drucktechnologien investieren, mehr für zertifizierte Recyclingmaterialien zahlen und sicherstellen, dass gebrauchte Materialien ordnungsgemäß gesammelt und recycelt werden. Dadurch kann er preislich weniger wettbewerbsfähig werden. Die Bereitschaft von Verbrauchern, Aufpreise für nachhaltige Produkte zu zahlen, fällt von Markt zu Markt unterschiedlich aus.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Nachhaltigkeitsinitiativen aufgegeben werden sollten. Im Gegenteil: Entscheidend ist, neu zu denken, wie Nachhaltigkeit umgesetzt wird. Weder Institutionen noch Unternehmen noch Verbraucher können diesen Wandel allein tragen. Erforderlich sind gemeinsame Anstrengungen und ein stärkerer Fokus auf geteilte statt rein individuelle wirtschaftliche Interessen. Michael Porter, ein Pionier der modernen Managementtheorie, entwickelte 2011 gemeinsam mit Mark Kramer das Konzept der „Schaffung gemeinsamer Werte“.
In einer zunehmend globalisierten und verflochtenen Welt können lokale Ökosysteme und Industriecluster Synergien zwischen wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Entwicklung stärken, indem sie regionale Ressourcen, Arbeitskräfte, Infrastruktur, Logistik sowie institutionelle Unterstützung durch Regierungen, Universitäten und Forschungseinrichtungen bündeln. Durch gemeinsame Wertschöpfung können neue Formen von Innovation und nachhaltigem Wachstum entstehen.
In einem Ökosystem mit mehreren Stakeholdern ist Integrity Due Diligence wichtig, um Glaubwürdigkeit und Erfolgsbilanz potenzieller Partner zu prüfen und sicherzustellen, dass sie eine gemeinsame Vorstellung von Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit teilen. Vertrauen wirkt als Katalysator erfolgreicher Kooperation.
Fußnoten
- Title: The Doughnut of social and planetary boundaries. Credit: Kate Raworth and Christian Guthier. CC-BY-SA 4.0 Citation: Raworth, K. (2017), Doughnut Economics: seven ways to think like a 21st century economist. London: Penguin Random House.↩
- Rockström, Johan; Steffen, Will; Noone, Kevin; Persson, Åsa; Chapin, F. Stuart; Lambin, Eric F.; Lenton, Timothy M.; Scheffer, Marten; Folke, Carl; Schellnhuber, Hans Joachim; Nykvist, Björn (September 2009). “A safe operating space for humanity”. Nature. 461 (7263): 472–475. Bibcode:2009Natur.461..472R. doi:10.1038/461472a. ISSN 1476-4687. PMID 19779433. S2CID 205049746. ↩
